Zum zehnjährigen Jubiläum reisten wir, Nicholas und Robin, nach Kenia und Uganda. Es war eine der emotionalsten Reisen, die wir bisher erlebt haben. Vor den allerersten Bäumen zu stehen, die wir mit NIKIN je pflanzen liessen, war ein besonderer Moment. Was damals mit einer Idee und kleinen Setzlingen begonnen hatte, war sichtbar gewachsen.
Wir wollten unsere Baumpflanzprojekte näher kennenlernen und verstehen, was sie langfristig bewirken. Dabei begegneten wir Menschen, die sich mit viel Wissen und Herz für die Wälder einsetzen. Gleichzeitig führte uns die Reise an Orte, die uns als Kleidermarke zum Nachdenken brachten. Wir kehrten dankbar und bewegt zurück, mit neuen Fragen und wichtigen Impulsen für die Zukunft.

Unsere allerersten Bäume zehn Jahre später
In Kenia besuchten wir das erste Aufforstungsprojekt von One Tree Planted im Land. Hier wachsen auch die allerersten Bäume, die wir mit NIKIN je pflanzen liessen. Viele sind inzwischen fünf bis sieben Meter hoch, manche noch höher. Ein ganzer Wald ist entstanden. Diese Bäume mit eigenen Augen zu sehen, machte die vergangenen zehn Jahre für uns auf eine ganz besondere Weise greifbar!
Besonders schön war die Begegnung mit Miri. Sie hatte bereits vor rund zehn Jahren bei den Pflanzungen mitgearbeitet und erzählte uns, wie die Fläche damals aussah. Wir spürten, wie stolz sie auf die unzähligen Bäume ist, die sie selbst gepflanzt hat, und wie viel ihr diese Arbeit bedeutet. Gemeinsam mit ihr zwischen diesen Bäumen zu stehen, hat uns sehr berührt. Aus kleinen Setzlingen war ein ganzer Wald geworden.
Forest Rangers und lokale Organisationen setzen sich bis heute für den Schutz des Gebiets ein. Ihre Arbeit ist wichtig, denn illegaler Holzeinschlag und Weidetiere können die Entwicklung eines Waldes gefährden. Auch Menschen, die selbst an den Pflanzungen beteiligt waren, kümmern sich um seinen Erhalt.

Gemeinsam neue Bäume pflanzen
Wir besuchten auch das aktuell von NIKIN unterstützte Projekt im Dundori Forest. Insgesamt sollen hier 150’000 Bäume gepflanzt werden, davon finanzieren wir 40’000. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren im Rahmen des Projekts bereits 29’000 Bäume gepflanzt worden. Die Wälder dieser Region sind wichtige Wasserspeicher für weite Teile des Landes.
Am Pflanztag kamen insgesamt 5’000 Setzlinge in den Boden, davon etwa 20 von uns. Irene von der Organisation Wezesha zeigte uns, worauf es ankommt: den Setzling vorsichtig aus seinem Sack lösen, richtig einsetzen und eine kleine Mulde lassen, in der sich Regenwasser sammeln kann. Ein Stock hilft dabei, den jungen Baum später im Gras wiederzufinden. Gepflanzt wurden verschiedene heimische Baumarten. Die lokalen Pflanzteams waren deutlich schneller als wir und arbeiteten sich mit beeindruckender Übung über den Hang. Selbst mit anzupacken, liess uns die Arbeit hinter jedem einzelnen gepflanzten Baum noch mehr schätzen.

Ein zusätzliches Highlight war der Besuch des kenianischen Fernsehens, das über das Projekt und unsere Beteiligung berichtete. Es freute uns, dass die gemeinsame Arbeit auch vor Ort Aufmerksamkeit erhielt.
Auch die Arbeit vor und nach der Pflanzung konnten wir kennenlernen. In einer Baumschule halfen wir bei der Vorbereitung von Setzlingen mit. Das Team von Wezesha erklärte uns, wie es mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeitet, Bäume in landwirtschaftliche Flächen integriert und Wissen weitergibt. Bei Schulbesuchen sahen wir, wie Kinder ihre eigenen Bäume pflanzen und pflegen.
Diese Begegnungen zeigten uns, wie viel Zusammenarbeit hinter einem Aufforstungsprojekt steckt. Ein junger Wald braucht Menschen, die ihn kennen, nutzen und schützen möchten.

Ein Blick auf zukünftige Baumflächen
Mit Vertretern des Kenya Forest Service und der lokalen Community Forest Association besuchten wir auch eine Fläche, die künftig aufgeforstet werden soll. Nachdem wir zuvor zwischen den gewachsenen Bäumen gestanden hatten, betrachteten wir diese Landschaft mit anderen Augen. Wir konnten uns nun besser vorstellen, was hier über die Jahre entstehen könnte.
Dabei lernten wir das Konzept des «Social Fencing» kennen: Wenn Menschen vor Ort vom Wald profitieren und sich für ihn verantwortlich fühlen, helfen sie mit, ihn langfristig zu erhalten. Dieser Schutz durch die Gemeinschaft spielt neben der eigentlichen Pflanzung eine enorm wichtige Rolle.
John von One Tree Planted erklärte uns ausserdem, wie die Entwicklung der Projekte überprüft wird. Die Partnerorganisationen liefern alle sechs Monate Berichte. Auf Stichprobenflächen von beispielsweise zehn mal zehn Metern wird erfasst, wie viele Bäume überlebt haben. Daraus wird die Überlebensrate für die gesamte Fläche abgeschätzt. Hinzu kommen je nach Projekt die Erfassung einzelner Bäume mit geografischen Koordinaten und die Auswertung von Satellitenbildern. Denn die entscheidende Frage ist, was Jahre nach einer Pflanzung noch wächst.
Dandora hat uns tief bewegt
In Nairobi besuchten wir die Dandora-Mülldeponie. Auf ihr Ausmass waren wir trotz allem, was wir vorher darüber gehört hatten, kaum vorbereitet. Zwischen Müllbergen, Rauch und Staub suchen Menschen nach Materialien, die sie weiterverkaufen können. Auch Kleidung gehört dazu. Was für andere Abfall ist, bildet hier für viele Menschen die Lebensgrundlage.
Sam, der in Dandora aufgewachsen ist, führte uns durch das Gebiet. Mit seiner Organisation Dandora Green beschäftigt er Menschen, insbesondere Frauen, und sammelt Textilien zur Weiterverwendung und Verarbeitung. Er erklärte uns, dass er auch Bäume pflanzt und eine kleine Baumschule bei einer Schule hat. Das Ziel: Die Luftqualität in Dandora zu verbessern. Sein Engagement inmitten dieser schwierigen Bedingungen hat uns sehr beeindruckt.

Der Besuch machte deutlich, wie eng Umweltfragen und Lebensgrundlagen hier zusammenhängen. Viele Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem, was andere wegwerfen. Veränderungen müssen deshalb auch Perspektiven für sie schaffen.
Zwischen den Abfällen sahen wir immer wieder Schuhe und Kleidungsstücke. Dieser Anblick beschäftigte uns besonders. Was passiert mit den Produkten und Kleidern, wenn wir sie nicht mehr wollen? Als Kleidermarke betrifft uns diese Frage unmittelbar. In Dandora war sie für uns so greifbar wie selten zuvor.
Wohin Kleidung am Owino Market weiterreist
Am Owino Market in Kampala erlebten wir eine weitere Station im Leben gebrauchter Kleidung. An den Ständen stapelten sich T-Shirts, Hosen, Jacken und Schuhe. Dazwischen reparierten Schneiderinnen Kleidungsstücke oder passten sie direkt vor Ort an.
Gemeinsam mit Paula und Terence von BUZIGAHILL sowie unserem Guide Miti erkundeten wir den Markt. Wir entdeckten bekannte Marken, Shirts vergangener Veranstaltungen und Kleidungsstücke, die irgendwo auf der Welt aussortiert worden waren. Es war eindrücklich zu sehen, welche Wege Kleidung zurücklegt und durch wie viele Hände sie geht.

Hier wurde uns besonders deutlich: Nur weil wir Kleidung kostenlos in eine Altkleidersammlung geben, wird sie am Zielort nicht einfach verschenkt. Sie ist Teil einer internationalen Handelskette, wird eingekauft, transportiert, sortiert und weiterverkauft. Auch am Owino Market müssen die Menschen für diese Kleidung bezahlen. Unsere Kleiderspende ist dort eine Handelsware. Viele Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit diesem Handel und damit, Kleidung möglichst lange nutzbar zu machen.

Wie BUZIGAHILL aus bestehender Kleidung Neues schafft
Wie aus aussortierter Kleidung neue Mode entstehen kann, zeigte uns das Team von BUZIGAHILL. Die von Bobby Kolade gegründete Marke kauft Secondhand-Kleidung in Uganda ein, arbeitet sie um und verkauft die entstandenen Stücke unter dem Ansatz «Return to Sender» auch zurück in den globalen Norden.
Paula erklärte uns, wie anspruchsvoll bereits die Suche nach passenden Ausgangsstücken ist. Farben, Materialien und Mengen lassen sich auf dem Secondhand-Markt nicht beliebig bestellen. Jedes Design muss mit dem arbeiten, was verfügbar ist.
In der Produktion beeindruckte uns besonders ein T-Shirt, das aus acht gebrauchten Shirts zusammengesetzt wurde. Dahinter stecken viele Arbeitsschritte: sortieren, waschen, zerlegen, neu kombinieren und zusammennähen. Aus der Nähe zu sehen, wie viel Handarbeit und Kreativität in einem solchen Stück stecken, liess uns nochmals anders auf gebrauchte Kleidung blicken.

Wir tauschten uns über Materialien, Langlebigkeit, Kreislauffähigkeit und viele weitere Fragen aus, die uns als Kleidermarken beschäftigen. Der Besuch gab uns viel Stoff zum Weiterdenken. Besonders beschäftigt uns, wie wir schon beim Entwerfen berücksichtigen können, was später aus einem Kleidungsstück wird.

Was bleibt und wem wir Danke sagen möchten
Es sind vor allem die Menschen und die gemeinsamen Momente, die uns von dieser Reise bleiben. Miri, die voller Stolz von ihren gepflanzten Bäumen erzählte. Die Teams, mit denen wir Setzlinge in die Erde brachten. Sam, der uns offen seine Arbeit und seinen Alltag zeigte. Und die Menschen bei BUZIGAHILL, die uns mit ihrer Kreativität neue Perspektiven eröffneten.
Wir haben gesehen, was über Jahre entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam an etwas arbeiten. Gleichzeitig haben wir Fragen mitgenommen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Beides wird uns bei NIKIN weiter begleiten.
Ein besonderer Dank geht an John von One Tree Planted. Er hat uns durch die Tage in Kenia begleitet, Zusammenhänge erklärt und sich Zeit für unsere vielen Fragen genommen. Dank ihm konnten wir auch tiefer in die lokale Kultur und den Alltag der Menschen eintauchen. Bei gemeinsamen Essen, persönlichen Gesprächen und all den Erlebnissen wurde aus einem Partner ein richtiger Freund. Dafür sind wir sehr dankbar.
Danke auch an die Wezesha Foundation und ihre Gründerin Dr. Redempta Mutisya, die lokalen Projektteams und Communitys, Sam und Dandora Green sowie Bobby Kolade und das gesamte Team von BUZIGAHILL. Danke, dass ihr eure Zeit, euer Wissen und eure Geschichten mit uns geteilt habt.
Und danke an unsere NIKIN-Community, die unsere Baumpflanzprojekte seit zehn Jahren mitträgt. Ohne euch hätten wir diesen Moment nicht erleben dürfen: vor unseren allerersten Bäumen zu stehen und zu sehen, wie daraus ein Wald gewachsen ist. Dieses Gefühl nehmen wir mit nach Hause.

